Vielerorts wird in der Osternacht gemeinsam gesungen, gebetet und gewacht. Pater Samuel Rindt, Zisterziensermönch in Österreich, beschreibt, wie er im Kloster Heiligenkreuz die Nacht der Nächte erlebt. Er meint: An Ostern lernt man wirklich feiern - als Jesus Christus für alle Zeiten die Nacht zum Tag gemacht hat.
Ich halte mich so gut es geht an meinen Vordermann, um möglichst unfallfrei durch den völlig dunklen gotischen Altarraum zu gelangen. Als wir durch das Chorgestühl Richtung Eingang gehen, fällt schwach der Schein des Feuers herein, das ein Mitarbeiter aus dem Klosterbauamt draußen entzündet hat. Er tut es jedes Jahr mit stiller pyromanischer Leidenschaft. Hier in dem alten, romanischen Teil der Zisterzienserkirche, den ich für seine Einfachheit liebe, springen große Schatten erstaunlich behände von Säule zu Säule. Diese Kirche ist für den Tanz mit dem Licht gebaut, ja dafür, Licht sichtbar zu machen. Die nackten, handbehauenen Steine nehmen die Aufforderung dazu von der Abendsonne genauso willig an wie von einer einzelnen Kerze in der Mitte der Nacht.
Unsere Prozession tritt hinaus in den äußeren Stiftshof. Wenige Köpfe drehen sich nach uns um, alles schaut in das knackende, funkensprühende Feuer. Es macht das Schweigen und die Dunkelheit auf eine freundliche Weise vollkommen. Einmal im Jahr die Lichtverhältnisse der Schöpfung – wie beruhigend das ist. Meist können wir das Angebot der Ruhe nicht annehmen, das die Nacht schenkt. Wie freundlich die Dunkelheit sein kann. Sie muss nicht schon Finsternis sein, sondern kommt aus der gleichen wohlwollenden Hand wie das Licht. Brauchen wir nicht diese Erfahrung des Friedens der Nacht, um einmal dem Tod begegnen zu können? Um die Ruhe annehmen, das Diesseits loslassen und in die Hoffnung auf die Auferstehung hinein aufatmen zu können?
In unseren weißen Chorgewändern umrunden wir die Dreifaltigkeitssäule und schließen einen Kreis in der vordersten Reihe um das Feuer, das der Abt segnet. Jetzt ist es das Osterfeuer, Symbol neuen Lebens, das von Gott im Himmel ausgeht. An ihm wird die Osterkerze entzündet, Symbol des auferstandenen Christus. Momente folgen, still, einfach, aber gewaltig im Zeichen: Der Diakon stemmt die Christus-Kerze empor und ruft: „Licht Christi!“ Dreimal ruft er es aus, beim zweiten Mal am geschlossenen Hauptportal der Kirche. Dort entzünden alle ihre Kerzen am Licht Christi, eine Lichtwelle, die von der Osterkerze durch die Menge geht. So muss aus der Perspektive des Himmels die Ausbreitung des Reiches Gottes aussehen, des Feuers der Liebe Jesu, wo sich der Eine am Nächsten entzündet, wenn er innerlich brennt.
Das Hauptportal springt auf, 1000 Kerzenlichter tauchen den alten Stein in ein warmes, lebendiges Licht. Der Diakon singt ein uraltes, frühkirchliches Lied, das so genannte Exultet. Es ist das feierlichste Loblied, das die Liturgie überhaupt kennt: „Dies ist die Nacht, von der geschrieben steht: Die Nacht wird hell wie der Tag, wie strahlendes Licht wird die Nacht mich umgeben.“ Als der ekstatische Jubel verklungen ist, kehrt wieder Stille ein. Es ist mehr als die Stille einer Kirche, es ist die Stille der Jahrtausende, durch die nun in sieben großen Lesungen aus dem Alten Testament die Prophetien hörbar werden. Die Erschaffung der Welt und des Menschen, die Erwählung Abrahams, der Exodus, Lesungen aus Jesaja, Baruch und Ezechiel. Jedes Mal Gänsehaut. Die Liturgie der Osternacht spielt in den Lesungen die Jahrtausende des Wartens und der Hoffnung durch.
Dann der Höhepunkt: Die Feier der Auferstehung. Alle stehen auf, löschen die Kerzen, die nicht mehr notwendig sind, denn nun erscheint das Licht selbst: Christus. Unter den jubelnden Klängen der Orgel wird das romanische Kreuz enthüllt, das den auferstandenen Christus darstellt. Im Zeitraffer der Liturgie wird der große Bogen der Geschichte Gottes mit den Menschen sichtbar. Nie ist das im Kirchenjahr deutlicher als in dieser Nacht. Auch alles, was jetzt in der Feier noch folgt: das ekstatische Osterhalleluja, die Taufen und die Tauferneuerung der Gemeinde, die Eucharistiefeier – das alles tritt in seinem Sinn völlig neu und atemberaubend klar hervor. Eine Stimme in mir ruft: Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!
Quelle: Andere Zeiten 1/10, Magazin zum Kirchenjahr, www.anderezeiten.de
Pater Samuel Rindt ist Zisterziensermönch im Stift Heiligenkreuz in Österreich. Er ist studierter Germanist und arbeitet in der Jugendseelsorge.
die (griech. eucharistia = "Danksagung"); urspr. der Name des bei der Einsetzung des Abendmahls gesprochenen Dankgebetes (Mt 26,26–28); davon abgeleitet, Bezeichnung für die von der Kirche begangene Feier zum Gedächtnis an das letzte Abendmahl Jesu Christi (heilige Messe) und seines Todes und seiner Auferstehung. Die Eucharistie-Feier ist zentraler Bestandteil des katholischen Gottesdienstes; die Eucharistie ist eines der sieben Sakramente. Mit Eucharistie werden auch die konsekrierten Opfergaben Brot (Hostie) und Wein bezeichnet.
Quelle: http://www.bistum-essen.de/start/presse-oeffentlichkeitsarbeit/lexikath/
Für das Sakrament der Sündenvergebung und Versöhnung mit Gott verwendet man verschiedene Begriffe: Beichte, Bußsakrament, Sakrament der Versöhnung. Gemeint ist mit unterschiedlicher Akzentuierung dasselbe. „Beichte“ akzentuiert das Bekenntnis der Sünden, „Buße“ das Thema der Wiedergutmachung und der Übernahme der Verantwortung, „Versöhnung“ die Überzeugung, dass Gott auch den Sünder annimmt und seine Sünden richtet, d. h. in Ordnung bringt und vergibt. Beichte und Buße klingen zunächst unangenehm, muss sich der Mensch doch seinen eigenen Sünden stellen und für seine Schuld Verantwortung übernehmen. Das Bußsakrament ist aber gerade das Zeichen dafür, dass Gott sich auch dem schuldig gewordenen Menschen nicht entzieht, sondern seine Vergebung anbietet.
Durch diese Vergebung, die der Beichtende durch den Priester von Gott selbst empfängt, wird der Einzelne mit Gott versöhnt, aber auch mit seinen Mitmenschen, mit der Kirche und der ganzen Schöpfung; d. h. ihm wird zugesagt und erfahrbar gemacht, dass von Gott her seine Sünde und Schuld beseitigt sind. Die Situation der Taufe ist wiederhergestellt. So wird die Gotteskindschaft jedes Getauften in der Beichte erneuert und gefestigt.
Quelle: www.bistum-eichstaett.de
Das Ei galt schon im alten Ägypten und in der gesamten Antike als Sinnbild des Lebens und fand als solches schon früh auch in die christliche Symbolwelt Eingang. Bereits der heilige Augustinus deutet in einer Predigt das Ei als Symbol der Hoffnung. Zum Zeichen der Auferstehung Christi wurde das Ei im frühen Mittelalter. Seit dem 12. Jahrhundert werden in der Ostermesse Eier gesegnet.
Die Chinesen kannten schon vor 5000 Jahren den Brauch, sich im Frühling gegenseitig Eier zu schenken. Auch auf dem jüdischen Passahtisch fehlten Eier nicht, neben Kräutern und anderen Nahrungsmitteln. Eier galten in der christlichen Fastenordnung als „flüssiges Fleisch“, deshalb wurde das Fastengebot auch auf Eier ausgedehnt. Zudem legten die Hennen im Frühjahr mehr Eier als sonst, sodass es zu einer Eier-Überproduktion kam. Der Brauch, Eier zu färben, verbreitete sich in Deutschland seit dem 13. Jahrhundert. Die zunächst übliche Eierfarbe war Rot, die Farbe des Lebens und des Opfertodes Jesu. Von „Ostereiern“ sprach zum ersten Mal eine in Straßburg erschienene Schrift von 1617. Ebenfalls seit dem 17. Jahrhundert erzählten Eltern ihren Kindern, dass der Osterhase die Eier bringe. Die Osterhasen-Legende war aber vorwiegend im evangelischen Stadt-Bürgertum verbreitet, erst Ende des 19. Jahrhunderts kam sie auch auf das katholische Land.
Von außen sieht ein Ei wie tot aus, doch aus seinem Inneren kann sich neues Leben entwickeln. Auf diese Weise ließ sich symbolisch das Ostergeheimnis erklären. Wer ein Osterei verschenkt, will den anderen am neuen Leben aus der Auferstehung teilhaben lassen.
Auf künstlerischen Osterdarstellungen finden sich kaum Ostereier. Allerdings malten italienische Renaissance-Künstler in Marien-Darstellungen gerne ein Ei hinein, als Hinweis darauf, dass Maria ihren Sohn vom Heiligen Geist empfangen hat.
Richard Schleyer
erschienen in: "Der Dom" - Kirchenzeitung des Erzbistums Paderborn, www.derdom.de
Christus spricht von sich als dem ,,Licht der Welt“ (Joh 8,12); so wird er in der Liturgie der Kirche gepriesen. Nicht nur als das „die Dunkelheit vertreibende Licht“ (Exsultet der Osternacht) erinnert es an Christus, sondern es gilt ihm auch als Ehrung in Anlehnung an antike Ehrerweisungen durch Fackeln und Kerzen.
Nach heutiger Vorschrift können die Leuchter wieder beim Einzug mitgetragen und am Altar während der Feier abgestellt werden. Die Verwendung von Altarkerzen geht auf das römische Beamtenzeremoniell zurück: Hohen Vertretern des Staates wurden außer besonderen staatlichen Ehrenzeichen auch brennende Fackeln voran getragen. Als dann im christlich gewordenen römischen Reich auch der Papst und später alle Bischöfe in das Erbe der römischen Machtinsignien eintraten, wurden auch ihnen Leuchter voran getragen, wenn sie sich in feierlichen Prozessionen zum Ort der Messfeier begeben haben.
Doch ging die Ehrung vom Papst und den Bischöfen mit der Zeit auf den über, dem alle Ehre gebührt, auf Christus. Darum trug man nicht nur zur Eingangs- und Auszugsprozession Leuchter mit, gleichsam als Symbol dafür, dass der Herr mit seiner Kirche auf dem Weg ist, sondern auch bei der Prozession zur Verkündigung des Evangeliums werden Leuchter mitgetragen, um den im verkündigten Wort des Evangeliums selber sprechenden Herrn zu ehren. Erst im Mittelalter wurden die Leuchter auf den Altar selbst gestellt und blieben dort auch außerhalb des Gottesdienstes stehen.
Prof. Michael Kunzler
aus: Prof. Michael Kunzler: Dienst am Altar Christi. Verlag Bonifatius GmbH.
Asche ist in vielen Religionen und Kulturen ein mit Schuld und Tod verbundenes Zeichen. In der biblischen Erzählung vom Sündenfall spricht Gott zu Adam:
,,Mit Schweiß im Angesicht wirst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden. Von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub musst du zurück“ (Gen 3,19).
Die kirchliche Liturgie wiederholt dieses Wort alljährlich am Aschermittwoch. Der Priester spricht es bei der Erteilung des Aschenkreuzes, um die Christen an den Tod und das künftige Gerichtetwerden durch Gott zu erinnern. Dieses Aschensymbol ist eine Mahnung zur Umkehr. Das deutende Wort bei der Erteilung des Aschenkreuzes müsste daher eigentlich lauten: „Gedenke, o Mensch, dass du Staub bist, aber bestimmt zur Auferstehung in das ewige Leben.“ Asche beschmutzt, aber sie ist leichter, weniger anhaftend als Erde. Asche ist durch Feuer gereinigter Erdenstoff. Aus der Asche erhebt sich in einer antiken Sage der Vogel Phoenix zu neuem Leben. Er lässt die Asche zurück.
Der Christ aber glaubt, dass in der Auferstehung seine Geschichte – die Erde, die Asche –, freilich geläutert durch das Feuer des Gerichtes, mitgenommen wird in das ewige Sein bei Gott.
Mit freundlicher Unterstützung von "Der Dom" - Kirchenzeitung des Erzbistums Paderborn, www.derdom.de